Der Mountainbike-Sport bekommt einen nationale Stimme: Zwei Vertreter aus der Community in den Swiss Cycling Vorstand gewählt
Das Wichtigste in Kürze
Am 14. März sind mit Luise Rohland (Co-Präsidentin Züritrails & Vorstand IG MTB Zürich) und Alex Rufibach (Präsident BEBike) zwei zentrale Personen aus dem MTB-Sport in den Swiss Cycling Vorstand gewählt worden.
Das ist kein Zufall, sondern Resultat einer wichtigen Initiative von sechs MTB-Kantonalverbänden.
Das Ziel der Initiative ist, eine geeinte und starke nationale Stimme für den Mountainbike Sport zu erreichen.
Um MTB im Schweizer Sportsystem weiterzuentwickeln, muss diese Stimme Swiss Cycling sein. Die Organisation braucht jedoch zentrale Veränderungen, um dies leisten zu können.
Nach monatelangen, sehr positiven Gesprächen zwischen den Verbänden und Swiss Cycling sind nun zwei Grundbedingungen der Kantonalverbände erfüllt: Der Beitrag pro Vereinsmitglied wird auf CHF 5 pro Jahr gesenkt und Swiss Cycling erhält strategische MTB Kompetenz im Vorstand.
Nun fängt die Arbeit an - gemeinsam mit der neu gewählten Präsidentin und Bikerin Luana Bergamin werden wir nachhaltig an Strukturen arbeiten, die die Stärken von Swiss Cycling nutzen und die Kantonalverbände und Vereine in ihrer Arbeit für mehr Trails und bessere Trails unterstützen können.
Der Schweizer MTB Sport braucht eine starke gemeinsame Stimme
Der MTB Sport begeistert nicht ohne Grund Hunderttausende in der Schweiz - unter anderem durch die Herausforderung, die gewonnene Freiheit, das Naturerlebnis und die vielfältigen Gesundheitsvorteile. Im Vergleich mit anderen Sportarten ist MTB in der Infrastruktur (d.h. Trails) zudem sehr günstig. Die häufig gestellte Frage: Warum müssen wir oft immer noch darum kämpfen, dass der Sport legal ist, statt dass Geld in die Weiterentwicklung investiert wird? Schliesslich hat es laut Sport Schweiz light 2022 fast doppelt so viel Mountainbikende wir Fussballspielende. Dafür braucht es eine starke Interessenvertretung - auf allen Ebenen, lokal/regional, kantonal und national. Bis zur kantonalen Ebene ist das Wachstum auch deutlich spürbar - mit mehr und mehr grossen Vereinen und inzwischen starken Kantonalverbänden wie in Bern, Zürich und Solothurn. Das Potenzial ist jedoch noch riesig. Und auf nationaler Ebene war die Vertretung bisher zersplittert - dadurch hat der Sport keine Durchschlagkraft bei zentralen Prozessen und der Politik.
Gleichzeitig werden in vielen Kantonen aktuell die (gesetzlichen) Weichen für die Zukunft des MTB-Sport gestellt und die Mountainbikewegnetze definiert. Es ist deshalb äusserst dringend das gemeinsame Potential zu nutzen und ein gemeinsames Sprachrohr mit Schlagkraft zu formen.
Diese Stimme muss Swiss Cycling sein - aber es braucht Veränderung
Die sechs Kantonalverbände BEBike, IG MTB Zürich (bei der Züritrails Mitglied ist), MTB Schwyz, IG MTB Kanton Solothurn, Mountainbike Nidwalden und Mountainbike Obwalden sind sich einig: Diese gemeinsame Stimme muss Swiss Cycling sein. Die Vereine im Mountainbike-Sport sind zwar vielfältig und setzen unterschiedliche Schwerpunkte – von Nachwuchsförderung über Breitensport bis hin zum Leistungssport. Dennoch sind sie alle auf dieselbe Infrastruktur und dieselben gesetzlichen Rahmenbedingungen angewiesen. Zudem kann es auf Bundesebene und gegenüber Swiss Olympic nur einen Ansprechpartner geben. Durch mehrere nationale Organisationen verliert der Sport an Glaubwürdigkeit und politischer Wirkung.
Swiss Cycling ist bereits klar als Ansprechpartner in den Ausbildungen, im Nachwachs und im Leistungssport etabliert und verfügt über ein wertvolles Netzwerk zu wichtigen Stakeholdern wie Swiss Olympic. Damit der Sport sein volles Potenzial entfalten kann, müssen Leistungs- und Breitensport jedoch stärker gemeinsam gedacht werden – unabhängig davon, ob der Schwerpunkt auf Infrastruktur, Nachwuchsarbeit, Wettkämpfen oder anderen Bereichen liegt.
Damit dies gelingt, braucht es jedoch auch Veränderungen. Teile der Mountainbike-Community haben sich bisher von Swiss Cycling nicht ausreichend vertreten gefühlt; Kompetenzen und Wertschätzung waren aus ihrer Sicht zu wenig sichtbar. Gleichzeitig bot eine Mitgliedschaft bei Swiss Cycling vielen Verbänden und Vereinen bislang zu wenig differenzierte und konkrete Mehrwerte und die Kosten einer Mitgliedschaft sind zu hoch.
Die Mountainbike Kantonalorganisationen suchen den Dialog
Dabei ist das Potenzial für eine stärkere Zusammenarbeit riesig. Aus Sicht der Kantonalverbände braucht es:
Interessenvertretung auf nationaler Ebene:
Kompetente Vertretung in nationalen Gremien
Anschluss an Sportsystem CH und damit öffentliche Gelder und Einflussnahme für den Sport: Konkret eine funktionierende Zusammenarbeit mit dem Bund (Bundesamt für Sport), dem Dachverband für Sport (Swiss Olympic) sowie weiteren öffentlich- und privatrechtlichen Organisationen sowie anderen Radsportarten zur Nutzung von Synergien
Professionellere Koordination von MTB-Fachveranstaltungen auf nationaler Ebene
Unterstützung der kantonalen Ebene
Unterstützung (im Aufbau) der kantonalen Verbände
Austauschplattform zwischen den kantonalen Verbänden
Dienstleistungen für Vereine
Beratung, z.b. im juristischen Bereich
Aus- und Weiterbildungsangebote
Support bei Administration, etc.
Das kann Swiss Cycling nicht von heute auf morgen leisten - v.a. bei der geringen Mitgliederzahl, die heute auf der MTB-Seite bestehen. Um in diese Richtung gemeinsam starten zu können, wurden seitens der Kantonalverbände zwei zentrale Grundlagen formuliert:
1. Strategische Vertretung des Mountainbikesports im Vorstand: Die Perspektive der Vereine und Infrastrukturorganisationen soll direkt in die Verbandsstrategie einfliessen.
2. Ein funktionierendes und bezahlbares Mitgliedschaftsmodell: Lokale Vereine sollen ihre Mitglieder einfach und zu fairen Konditionen auch national anbinden können. Das bedeutet, dass der Passivmitgliedschaftsbeitrag, den Vereine pro Mitglied und Jahr zahlen, von CHF 10 auf CHF 5 reduziert werden muss.
Die Kantonalverbände sind damit proaktiv auf Swiss Cycling zugegangen. In den Gesprächen zeigte sich schnell, dass ein gemeinsames Zielbild zwischen Swiss Cycling und den Kantonalverbänden besteht, auf das wir gemeinsam hinarbeiten möchten.
Diese Voraussetzungen sind jetzt erfüllt
Bereits im Dezember hat der Vorstand von Swiss Cycling beschlossen, den Passiv-Mitgliederbeitrag von CHF 10 auf CHF 5 zu senken.Die neue Regelung wird ab 2027 gelten.
Mit der Wahl von Luise Rohland und Alex Rufibach in den Vorstand ist nun auch die zweite zentrale Voraussetzung erfüllt: Vertreterinnen und Vertreter aus der Mountainbike-Community sind künftig direkt im Führungsgremium des Verbands vertreten. Zudem ist mit Luana Bergamin eine Präsidentin gewählt, welche alle Bereiche des Radsports abdeckt, selbst auf dem Mountainbike unterwegs ist und die Infrastrukturbedürfnisse bestens einschätzen kann. Damit sind wichtige strukturelle Voraussetzungen geschaffen, damit sich kantonale Organisationen und Vereine stärker unter dem Dach von Swiss Cycling organisieren können.
Ab jetzt ist die Partizipation aller Kantonalverbände zentral
Die IG MTB Kanton Zürich und Züritrails sind Swiss Cycling bereits beigetreten, bisher als Infrastrukturorganisationen. Aus Züritrails Perspektive möchten wir ab nächstem Jahr mit rund 2’000 Mitgliedern auch als regulärer Verein Mitglied von Swiss Cycling werden und damit aktiv zum Aufbau einer breit abgestützten nationalen Struktur beitragen und die Stimme des Sports so verstärken. Gleichzeitig fängt nun die Aufbauarbeit an - es geht darum, die Bedürfnisse aller kantonalen Organisationen aufzunehmen, zu priorisieren und bei Swiss Cycling den richtigen Support aufzubauen.
Damit haben wir im Januar gestartet. Es fand ein erster Workshop statt mit Vertretern der kantonalen Organisationen, um einen ersten Schritt zu machen. Ein direktes Resultat ist, dass seitens Swiss Cycling eine erste Präsidialkonferenz Anfang Sommer organisiert wird.
Und mal wieder zur Flughöhe
Kurz mal von weit oben betrachtet: Ja, die Swiss Cycling Wahlen dieses Jahr waren viel in der Presse und bei weitem nicht positiv. Umso glücklicher sind wir, dass die Wahlen für uns erfolgreich waren. Mit dem neuen Vorstand sind wir zuversichtlich, das Geschehene aufzuarbeiten und für den gesamten Radsport gemeinsam in die Zukunft blicken zu können.
Und dann zurück zum Waldboden rund um Zürich: Und auch ja, das ist mal wieder ein politischer Blogpost. Auf Trailebene tut sich auch einiges in Zürich, stay tuned und falls ihr noch nicht mit einer Mitgliedschaft den MTB-Sport unterstützt, es wird langsam Zeit. 🥰